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(pd) Ein neues Analyseprogramm des Kantonsspitals Aarau reduziert die Anzahl Medikationsfehler drastisch. Das erhöht die Patientensicherheit und senkt gleichzeitig die Gesundheitskosten.

Medikamentöse Behandlungen werden immer komplexer, die Anzahl eingenommener Medikamente nimmt stetig zu – und damit auch das Risiko von Medikationsfehlern. Ein interdisziplinäres Projektteam des Kantonsspitals Aarau um Claudia Zaugg und Rico Fiumefreddo hat deshalb gemeinsam mit IT-Fachpersonen der Firma CISTEC AG ein Analyseprogramm entwickelt, das Ärztinnen und Ärzten fortan dabei hilft, Medikationsfehler zu vermeiden und damit unerwünschte Arzneimittelereignisse markant zu reduzieren. Vergangene Woche wurde das neue System nun auch im Spital Zofingen und dem angegliederten Pflegezentrum in Betrieb genommen. Das neue Analyseprogramm bezieht Daten aus der elektronischen Patientenakte, wie zum Beispiel Laborwerte, Alter, Gewicht und Medikamente. Das Multiagentensystem, das diese Daten mit den medizinischen Richtlinien, dem Fachwissen klinischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten sowie Ärztinnen und Ärzten verschiedener Fachdisziplinen kombiniert, löst dann eine Warnmeldung aus, wenn das System eine problematische Konstellation von Medikamenten oder eine fragwürdige Dosierung erkennt.

Weniger und gezieltere Warnmeldungen

Warnsysteme im Zusammenhang mit Medikamentenverordnungen sind nichts Neues. «Aber während die meisten nur zwei isolierte Parameter gegenüberstellen und so eine Flut an irrelevanten Warnmeldungen auslösen, berücksichtigt unser System deutlich mehr Elemente und kann so gezielter und auch mit höherer Treffsicherheit warnen», erklärt Claudia Zaugg, Leiterin Klinische Pharmazie am Kantonsspital Aarau. Wie gut das Multiagentensystem funktioniert, zeigen erste Erhebungen, zum Beispiel zur unerwünschten Kombination zweier Blutverdünner. Dieser Medikationsfehler konnte im ersten Jahr bereits um 43 Prozent reduziert werden. Doch selbst wenn zahlreiche Parameter berücksichtigt werden, gibt es Faktoren, die das Multiagentensystem nicht auswerten kann. Darum werden die meisten Meldungen zuerst von einem internen Team klinischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten geprüft und erst dann mit einer Empfehlung an die Ärztinnen und Ärzte weitergeleitet. Dank der stetigen Überprüfung der Medikation der Patienten durch das System ist Zaugg zuversichtlich, dass auch weitere Fehler künftig sehr schnell identifiziert und behoben werden.

Hohe Investitionen in die Patientensicherheit

Das vom Schweizerischen Verein der Amts- und Spitalapotheker ausgezeichnete Forschungsprojekt wurde über einen Zeitraum von fünf Jahren entwickelt. Die Abteilung der klinischen Pharmazeutinnen wurde vergrössert, um die Warnmeldungen zeitnah zu überprüfen. Trotzdem ist Pharmazeutin Zaugg zuversichtlich, dass sich die Investition bald auch finanziell lohnen wird. Je nach Untersuchung kosten die nötigen Folgebehandlungen eines Medikamentenfehlers zwischen 3000 und 8000 Franken. Zaugg erklärt: «Durch die effiziente Verhinderung unerwünschter Arzneimittelereignisse ist dieses Programm bereits kurz nach Einführung gewinnbringend – sowohl für den Patienten wie auch rein monetär – und wird längerfristig zu einer relevanten Kostensenkung beitragen.» In den nächsten Monaten ist ein schrittweiser Ausbau dieses Systems geplant. Zudem sollen diese innovativen Algorithmen künftig auch anderen Spitälern zugänglich gemacht werden, um die Patientensicherheit so schweizweit zu erhöhen.

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