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Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
www.ruetschi-ag.ch

Spesen, Gebühren und nochmals Spesen
Über dieses Thema könnte man langsam Bücher schreiben. Mich nervt die Tendenz, dass überall und immer mehr jeder Bleistiftstrich und jede Minitätigkeit in Rechnung gestellt wird. Das ist nicht nur bei den Banken so. Auch bei Handwerkern hat die Mode Fahrspesen, Kleinmengenzuschlag usw. usw. in Rechnung zu stellen teilweise Überhand gewonnen, und bei Verwaltungen kostet bald jede Bescheinigung und Anfrage. Solche Sachen machen mich allergisch. Vor allem, wenn sie einseitig und aus meiner Sicht teilweise noch unfair sind.

Ich werde alt
Eigentlich habe ich das Gefühl für mein Alter noch recht fit zu sein und hoffentlich auch (noch) nicht zu engstirnig und zu konservativ durch das Leben zu gehen. Auch bin ich absolut nicht der Meinung, früher sei alles besser gewesen. Nun bemerke ich, dass mir meine abwägende Art, mein aus meiner persönlichen Einschätzung und Sicht noch vorhandener gesunder Menschenverstand bei Anlageentscheiden oft im Wege steht. Wieso sich Gedanken machen? Es geht sowieso alles rauf und man muss nur den richtigen Trends folgen, der bezahlte Preis spielt eine nebensächliche Rolle. Ich habe in der Theorie (und in der Praxis) noch gelernt, dass es KEIN Gratismittagessen und kein Perpetuum mobile gibt. Nun plötzlich daran zu glauben, fällt mir schwer, auch wenn man damit aktuell immer mehr zum Aussenseiter wird.

Losgelöster Immobilienmarkt
Der Immobilienmarkt entwickelt sich nicht ganz so euphorisch wie der Aktienmarkt, aber die Grundtendenz ist in den letzten Jahren auch fast nur nach oben. Nicht in allen Bereichen gleich. Teilweise sehen wir Preisausreisser, welche ich bis vor kurzem für unmöglich gehalten hätte. Die Nachfrage trifft auf ein schon grösser gewesenes Angebot. Obwohl ich bei uns erkenne, dass die Breite der Nachfrage abnimmt, reicht es immer noch, das Preisniveau in stark gesuchten Teilbereichen zu halten oder weiter anzuheben. Umso stärker und länger die Preise steigen, umso weniger können sich zukünftige Käufer Immobilien noch leisten, was irgendeinmal zu einem Boomerang werden könnte. Aber sehr viel billiges Geld sucht weiter Anlagemöglichkeiten, und damit werden wir kurzfristig kaum eine Trendumkehr feststellen. Diese wird eines Tages kommen, genau wie nach dieser gefühlt nie aufhörenden Schlechtwetterphase die Sonne wieder kommen wird.

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Christoph Zehnder,  eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Globale Mindeststeuer für Unternehmen
Nach Jahren stockender Verhandlungen haben sich die G7-Staaten vor zehn Tagen auf eine globale Mindeststeuer von 15 Prozent für weltweit agierende Grosskonzerne geeinigt. Ob die Pläne auch umgesetzt werden, ist noch offen.
«Wir wollen ein faires Steuersystem, eines, wo jeder seinen fairen Anteil zahlt.» Vordergründig ein gutes Argument, nur: Was heisst fair? Wer bestimmt was fair ist? Und wird das Steuersystem tatsächlich fairer, wenn der Steuerwettbewerb reduziert oder gar komplett eliminiert wird?

Viele Staaten sind überschuldet
Dass gerade jetzt diese Pläne Schub bekommen, hat vermutlich andere Gründe. Viele Länder sind bis über beide Ohren verschuldet. Bereits vor Corona erreichten die Staatsschulden in vielen Ländern ungemütliche Niveaus. Corona taugt, nicht ganz überraschend, nun natürlich als gutes Feigenblatt, pardon Grund, um die Steuereinnahmen zu erhöhen.
Bisher wurden die neuen Schulden mehr oder weniger unverblümt von den Zentralbanken finanziert und damit das Verbot der Staatsfinanzierung verletzt. Langfristig müssen diese Schulden entweder abgeschrieben oder durch erhöhtes Steueraufkommen reduziert werden. Weitere Möglichkeiten wären Weginflationierung oder im Optimalfall besseres wirtschaftliches Wachstum.

Ist Wettbewerb nur bei Unternehmen gut, nicht aber bei Staaten?
Wettbewerb ist ein Begriff und Wert, der es in der heutigen Zeit schwer hat. Wettbewerb ist ja zuallererst unbequem. Jeder Marktteilnehmer ist gezwungen, sich immer und immer wieder zu verbessern. Das ist aber gerade der Grund, dass für das System der Wettbewerb langfristig ein Vorteil ist: Ein bequemer, träger und ineffizienter Teilnehmer wird aus dem Markt gedrängt, ein flexibler, effizienter setzt sich durch. Ohne Wettbewerb fehlt dieser Druck zur Verbesserung. Es macht deshalb durchaus Sinn, dass viele Staaten Gesetze gegen die Bildung von Oligopolen und Kartellabsprachen haben.
Ähnlich lässt es sich beim Wettbewerb unter den Staaten argumentieren. Ohne Steuerwettbewerb fällt ein Druck auf die Staaten weg, sich effizient und günstig im Dienste für die Bürger zu organisieren.

Manche Politiker wollen vollständige Eliminierung des Steuerwettbewerbs
Auch beim Wettbewerb gibt es ein «Zuviel», wo er ruinös und unfair wirkt. Gewisse Regeln dagegen sind durchaus sinnvoll. Dass es vielen Politikern aber nicht nur um die Eindämmung von Exzessen geht, sondern um die weitgehende Eliminierung von Steuerwettbewerb generell zu Gunsten höherer Steuereinnahmen, zeigt die vermutlich ehrliche, wenn auch etwas unbedachte Aussage des französischen Finanzministers Bruno Le Maire: «Das ist ein Anfangspunkt und in den kommenden Monaten werden wir uns dafür einsetzen, dass die Mindeststeuer so hoch wie möglich ist.»

Andere Standortfaktoren
Wird der wichtige Standortfaktor Steuerwettbewerb zurückgebunden, werden andere Faktoren für die Unternehmen wichtiger. Als positive Punkte, die die Schweiz dazu in die Wegschale werfen kann, hat Finanzminister Ueli Maurer den Zugang zu qualifiziertem Personal, einen liberalen Arbeitsmarkt, ein innovationsfreundliches Umfeld, politische Stabilität und die hohe Lebensqualität genannt.

Neue Steuer am Ort des Konsumenten
Gemäss einem zweiten Plan der G7 sollen Konzerne mit einer Gewinnmarge von mehr als zehn Prozent künftig auch dort steuerpflichtig werden, wo sie ihre Umsätze machen. Die über diese Marge hinausgehenden Gewinne sollen zu 20 Prozent in den jeweiligen Ländern versteuert werden. Dieser zweite Teil der geplanten Änderungen dürfte für die Schweiz problematischer sein als die Mindestbesteuerung, da Grosskonzerne wie Nestlé, Roche und Novartis einen Grossteil des Umsatzes im Ausland erzielen.

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Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
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In der Krise und Allzeithoch
Kaum zu glauben, aber Realität: Wir sind in der grössten Pandemie seit über 100 Jahren und die Finanzmärkte sind auf Allzeithoch. Natürlich hoffe auch ich, dass Corona bald Geschichte ist und eine Normalität wieder Einzug findet. Wird nun eine langanhaltende Boomphase ohne jegliche Probleme kommen? Kaum, aber die Finanzmärkte könnten aktuell so etwas anzeigen, und genau das könnte das nächste grosse Problem werden. Durch Zentralbanken unendlich aufgeblähte Finanzmärkte, welchen irgendeinmal die Luft ausgeht, könnten die nach Corona aufkommende Partystimmung erheblich dämpfen. Irgendeinmal könnte dann die Aufwachphase mit einem heftigen Kater kommen, und man merkt, dass alles viel zu schön war, um wahr zu sein… Wohlstand generieren, ohne dass man dafür arbeitet, das wäre toll, aber auf Dauer kaum realistisch.

Müssen wir uns auf Teuerung einstellen?
In einem früheren Ratgeber hatte ich auf ein Inflationsrisiko nach dem Ende der Corona-Pandemie hingewiesen. Dieses Szenario scheint sich nun anzubahnen. Etwas Teuerung wäre ganz gut, könnte man doch endlich aus der nichts mehr bringenden Minuszinsendlosschlaufe aussteigen. In den letzten Wochen konnte man aber vermehrt Kommentare lesen, dass Teuerung ein ganz grosses Problem werden könnte. Erste Beispiele können wir in den Medien lesen: Der internationale Preis für Bauholz soll sich verfünffacht haben. Auch andere Güter sollen massiv teurer geworden sein. Das löst eine gewisse Kettenreaktion aus. Aus meiner Sicht basieren die Preisanstiege aber zum grösseren Teil auf Lieferproblemen wegen der Stillstände durch Corona. Das sollte sich in einigen Monaten wieder beruhigen. Gefährlich würde es, wenn bei den Löhnen ein Teuerungsschub käme. Das kann ich mir mindestens bei uns im Moment kaum in der Breite vorstellen. Deshalb vermute ich, dass wir bei uns Teuerung bekommen, aber nicht dass sie sehr schnell davongaloppiert und ein riesiges Problem wird. Ob diese aber wirklich positiv für die Aktienmärkte ist, wage ich zu bezweifeln. Aktuell scheint man sich aber weiterhin in der Sorglosigkeit zu sonnen und wohlzufühlen.

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Christoph Zehnder,  eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Steuererklärung…

Frühling ist nicht nur die Zeit, in der die Temperaturen steigen und die Uhren eine Stunde vorgestellt werden, sondern auch die Zeit, in welcher die jährliche Steuererklärung zum Ausfüllen ruft. Kein Wunder haben wir um diese Jahreszeit auch wiederkehrende Anfragen zu diesem Thema.
Wir waren bisher Mieter, jetzt haben wir ein Einfamilienhaus gekauft. Was ändert sich bei meinen Steuern?
In der jährlichen Steuererklärung geht es um zwei Steuern: die Einkommens- und die Vermögenssteuern. Zuerst zum gedanklich einfacheren Teil bei dieser Frage, den Vermögenssteuern: Sie haben den Kaufpreis Ihrer Liegenschaft finanzieren müssen. Deshalb haben Sie auf Ihrem Bankkonto einen tieferen Saldo und zusätzlich in der Regel eine Hypothek, die Sie als Schulden geltend machen dürfen. Im Gegenzug besitzen Sie jetzt eine Liegenschaft, deren Wert Sie als Vermögen angeben müssen. Da der so genannte Vermögenssteuerwert Ihrer Liegenschaft klar unterhalb vom bezahlten Marktpreis liegt, nimmt Ihr steuerbares Vermögen um diese Differenz ab und Sie bezahlen etwas weniger Vermögenssteuern.
Etwas komplizierter wird die Situation bei den Einkommenssteuern, da wir in der Schweiz das Unikat der Eigenmietwertsbesteuerung haben. Stellen Sie sich für einen kurzen Moment vor, Sie kaufen das EFH und vermieten es an sich selber. Steuerlich hat das zur Folge, dass Sie als Eigentümer die erhaltene Miete als Einkommen versteuern müssen, Sie als Mieter die bezahlte Miete aber nicht in Abzug bringen können. Netto führt das deshalb bei Ihnen zu einem höheren steuerbaren Einkommen. Diese Differenz entspricht dem so genannten Eigenmietwert. Auf der Gegenseite dürfen Sie dafür gewisse Gewinnungskosten in Abzug bringen. Zum einen sind das die belasteten Hypothekarzinsen, zum zweiten können Sie die Kosten zum Abzug bringen, die Sie aufwenden, um Ihr EFH im Wert zu erhalten. Diese sogenannt werterhaltenden Liegenschaftsunterhaltskosten schwanken natürlich von Jahr zu Jahr. Als Grössenordnung und Faustregel können Sie bei älteren Liegenschaften etwa von 1% des Liegenschaftpreises im langjährigen Schnitt ausgehen. Sie dürfen jedes Jahr wählen, ob Sie die effektiven werterhaltenden LUK oder eine Pauschale (10% des Eigenmietwerts, 20% bei Liegenschaften die älter als 10 Jahre sind) in Abzug bringen möchten. Da die Zinsen seit Jahren sehr tief sind, sind die Abzüge (Hypozinsen plus LUK) im Schnitt tiefer als der Eigenmietwert und Sie werden künftig im Schnitt höhere Einkommenssteuern zahlen müssen.

… und wenn ich eine Zweit-
Immobilie im Ausland kaufe?
Grundsätzlich ist die Betrachtung die gleiche, wie wenn Sie eine Zweitwohnung in der Schweiz kaufen würden, auch Ihre Zweitwohnung hat einen Eigenmietwert und Vermögenssteuerwert. So weit, so gleich wie oben erklärt. Bei der Steuerberechnung gibt es dennoch einen wichtigen Unterschied: Immobilien werden am Sitz der Immobilie besteuert.
Ihre Zweitwohnung liegt nicht in der Schweiz, wird also bspw. in Frankreich besteuert und nicht in der Schweiz. Sie müssen Ihre Zweitwohnung dennoch in der Steuererklärung angeben. Das schweizerische Steuersystem geht davon aus, dass vermögendere Personen mehr Vermögenssteuern bezahlen sollen als weniger vermögende. Für die Bestimmung des Steuersatzes wird deshalb Ihre Gesamtvermögen (inkl. Auslandvermögen) berücksichtigt (dito beim Einkommen). Die Basis für die Steuerrechnung hingegen, also Ihr steuerbares Vermögen oder Einkommen, bleibt ohne Berücksichtigung Ihres Vermögens/Einkommens im Ausland. Die Steuerrechnung liegt damit höher, als wenn Sie die Zweitwohnung nicht hätten.
Im Vergleich zur Situation einer Zweitwohnung in der Schweiz resultiert hingegen eine tiefere Steuerrechnung, dafür sind Sie zusätzlich im Land Ihrer Zweitwohnung beschränkt steuerpflichtig.

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Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Wann platzt die Spekulationsblase?
Ich verfolge die Finanzmärkte rund 35 Jahre und bin seit rund 30 Jahren auch beruflich in diesem Bereich, davon auch ein paar Jahre im Wertschriften- und Devisenhandel. Dabei habe ich schon einiges erlebt, auch Sachen, welche ich nicht für möglich gehalten hätte.
Was in der letzten Zeit in einigen Titel abgeht, gehört in diese Kategorie. Da vervielfacht sich der Wert des Elektroautobauers Tesla innerhalb von einem Jahr und wird mehr wert als alle anderen grossen Autobauer zusammen, der Ölpreis ist kurz negativ (das hätte ich persönlich für unmöglich gehalten…) oder die Kurskapriolen der amerikanischen Game-Stop-Aktie, welche sich innerhalb weniger Tage verzehnfacht hat, dann wieder total zusammenbricht, um dann wieder zu explodieren.
Dabei geht es nicht um ein paar Franken oder Dollar Veränderung. Nein, wir reden von X-Milliarden Kursveränderung innerhalb von Stunden oder Tagen. Das sind für mich klare Zeichen einer Liquiditätsflut. Sehr viel billiges Geld sucht Anlagemöglichkeiten. Das ist nicht erst seit gestern der Fall, sondern seit mehreren Jahren, hat sich aber Schritt für Schritt verschärft. Für mich gibt es nun aber immer mehr Anzeichen, dass es immer mehr voll in Richtung reiner Spekulation geht und die Märkte am «Kochen» sind. Ein heftiges «Druckablassen» würde mich in den nächsten Monaten nicht überraschen.

Schweizer Franken etwas schwächer, Zinsen leicht höher, Ölpreis höher
Fast unbemerkt steigen die Zinsen leicht. Das ist weltweit zu beobachten und geht von einem möglichen Teuerungsschub nach Beendigung der Corona-Krise aus. Im längeren Vergleich sind sie immer noch sehr, sehr tief. Erleben wir aktuell die Zinswende? Ich weiss es nicht. Höhere Zinsen wären längerfristig vernünftig. Gratiskapital führt fast immer zu teilweise falschen Anlageentscheiden.
Auch hat sich der Schweizer Franken erstmals seit längerer Zeit wieder etwas abgeschwächt. Das wird vor allem die Schweizer Nationalbank und die Exporteure freuen. Im Tourismus spielt es aktuell ja kaum eine Rolle, da dieser länderübergreifend im Moment nicht stattfindet. Obwohl immer noch in der Krise hat der Ölpreis massiv angezogen. Noch vor wenigen Monaten hörte man oft, dass Öl keine Zukunft habe. Ölaktien fielen dementsprechend stark. Das mag langfristig so sein. Kurzfristig bleibt Öl eine der wichtigsten Energiequellen und ich bin überzeugt, dass das Thema Energie uns in den nächsten Jahren noch einholen wird.
Auch ich bin der Meinung, dass wir unserer Umwelt vermehrt noch mehr Sorge tragen müssen. Wie das funktionieren soll, wenn man fast gleichzeitig aus Atomenergie aussteigen und die fossilen Brennstoffe massiv einschränken will, werden wir noch sehen. Die Planwirtschaft hat leider auch in diesem Bereich Überhand genommen. Eigentlich sollten wir wissen, dass diese bis jetzt nie geklappt hat….

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Christoph Zehnder,  eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Leonteq als Tradingvehikel
Erstmals habe ich diesen Titel im November 2019 zum Kauf empfohlen zum Preis von rund 30 Franken (bei Interesse können Sie die alten Ratgeber auf unserer Webseite nachlesen). Im März 2020 habe ich bei 43.50 Franken zu einem (leider nur Teil-)Verkauf geraten. Nach einer Gewinnwarnung kam die Aktie unter Druck und im April 2020 habe ich bei 31 Franken zu
einem Wiedereinstieg geraten. Der Kurs ist im Juli erneut angestiegen bis auf etwa 45 Franken, hat dann wieder massiv korrigiert und lag im Oktober erneut bei etwa 32 Franken, wo ich Leonteq erneut zum Kauf empfohlen habe. Nach starken Jahreszahlen ist der Kurs in den letzen Wochen nun wieder auf etwa 45 Franken angestiegen. Somit ein Hin und Her im Range von 30 bis 45 Franken. Was nun?
Mein Rat ist wieder der Gleiche wie schon die letzten Male auf diesem Niveau. Wer eine grosse Position mit Gewinnen hat, kann einen Teil der Gewinne mitnehmen. Längerfristig bleibe ich aber bei Leonteq zuversichtlich und würde eine gewisse Position stehen lassen.
Leonteq konnte letztes Jahr aufgrund der Volatilität an den Finanzmärkten mehr Volumen kreieren, andererseits wurde sie recht stark abgestraft mit unerwarteten Hedging-Verlusten (Ausfall von Dividenden, zeitweise negativer Preis auf Erdölfutures). Der Start ins 2021 ist nach eigenen Angaben gut geglückt und die letztes Jahr bekannt gegebenen Zusammenarbeitsverträge mit mehreren neuen Gegenparteien dürften ab diesem Jahr Früchte tragen. Ein Problem aus Sicht als Aktionär sind die – leider in der Finanzbranche fast üblichen – zu hohen Saläre für Geschäftsleitung und Verwaltungsrat. Operativ aber sehen die Zukunftsaussichten für Leonteq aus unserer Sicht weiterhin gut aus.

In Central Banks we trust…
Aufgrund der Impffortschritte dürfte 2021 die Realwirtschaft endlich wieder mal kräftig zulegen. Wobei die «Verluste aufholen» die Realität wohl besser beschreibt. Wie dem auch sei… die optimistischeren Aussichten haben bereits zu einem kleinen Anstieg der längerfristigen Zinsen geführt. Die riesigen Hilfsgelder scheinen in die Realwirtschaft zu fliessen und entwickeln einen gewissen Inflationsdruck. Steigende Zinsen, steigende Rohstoffpreise, steigende Inflation: Dieses Gemisch war für Aktien in der Vergangenheit selten positiv. Wer kann da die Anleger retten?
Natürlich einmal mehr die Zentralbanken. Diese sind es seit Jahren, die mit ihrer expansiven und mittlerweile ultra-expansiven Geldpolitik nicht die Realwirtschaft und die kleinen Unternehmen unterstützen, sondern immer wieder die Anleger retten. Der Begriff des Zentralbank-Puts machte erstmals unter dem damaligen FED-Präsidenten Greenspan die Rede: Wenn die Aktienmärkte sinken, dann ruft das die Zentralbanker auf den Plan und sie überfluten die Märkte mit Liquidität. Greenspan war im Vergleich zu heute, zu Powell, diesbezüglich ein «Ministrant». Bei jedem noch so kleinen Rückgang verkündet Powell (gerade diese Woche wieder), wie ‹geduldig› – was für ein Euphemismus, einseitig und blind auf einem Auge wäre wohl richtiger – die FED bleiben werde und selbst grössere Inflation tolerieren werde. Die Märkte reagieren wie Pawlow’s Hund und geifern schon, kaum hat Powell den Mund aufgemacht.
Das Problem der Zentralbanker wird allerdings immer grösser: Ihre Massnahmen bringen der Realwirtschaft immer weniger und an den Aktienmärkten geht es immer weniger darum, Gewinne der realen Firmen in Kursgewinne umzumünzen, sondern ob ein noch unvorsichtigerer Anleger einen noch höheren Preis zahlt. Bleiben Sie vorsichtig und selektiv mit Ihren Anlagen.

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Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Keine Aktien von Telefonverkäufern kaufen
Die Aktien boomen und ein gewiefter Telefonverkäufer bietet ein richtiges Schnäppchen mit viel Potenzial an. Es gibt nur ein Rezept: NEIN, danke! Auf keine Diskussionen einlassen, und wenn nötig halt das Telefon auflegen. Diese Verkäufer haben immer ein neues, gutes Argument, weshalb man gerade jetzt einsteigen oder dazukaufen muss. Die Wahrscheinlichkeit eines Gewinnes bei solchen Aktien ist verschwindend klein. Nein, meist droht sogar der Totalverlust. Danach rechtlich dagegen vorzugehen wird mühsam und teuer. Wer einmal etwas gekauft hat, wird oft noch Jahre später mit anderen, tollen Angeboten überhäuft, da die Adressen auch noch weiterverwendet werden. Deshalb: NEIN, danke!

Minuszinsen im Auge behalten
Wir sind in einer «komischen» Zeit und sie wird aus meiner Sicht immer spezieller. Wenn man jemandem Geld leiht, muss man dafür zahlen. Das temporäre Phänomen wird immer mehr zur Normalität. Die Hürde, ab welcher man davon betroffen ist, scheint immer mehr zu sinken. Sparen wird bestraft. Das Geld geht dafür in risikoreichere Anlagen. Deren Preise steigen und steigen und diese Anlagen scheinen «alternativlos». Ich verstehe, dass die Nationalbank versucht, den Schweizer Franken nicht zu stark werden zu lassen. Ist es aber sinnvoll, einen grösseren Teil des Mittelstandes schleichend zu enteignen oder in risikoreichere Anlagen zu drängen? Ist es sinnvoll, andere Anlagekategorien in absurde Höhen zu treiben, «nur» um die Exportwirtschaft zu stützen. Persönlich bezweifle ich das und höre auch zu wenige kritische Stimmen. Dieses Medikament hat kaum mehr Wirkung und die Nebenwirkungen sind auf die Dauer viel zu gross. Wie soll ich mich nun selber verhalten? Die Sache im Auge behalten. Liquidität evtl. auf mehreren Banken halten und im Notfall einen Teil des Guthabens in bar beziehen und sicher verwahren. Schulden rückzahlen, auch wenn die Schuldzinsen historisch einmalig tief sind. Sicher auch einen Teil des Geldes angelegt haben, aber nicht um jeden Preis! Irgendwelche Hochrisikopapiere, nur damit man den Negativzins vermeiden kann, das macht längerfristig kaum Sinn und wird sich auch kaum rechnen. Kurzfristig kann es anders aussehen, aber längerfristig hat es noch NIE ein Perpetum mobile gegeben, und jede Übertreibung hat sich wieder schmerzhaft korrigiert.

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